Obwohl Stadtbewohner haben wir, meine Frau Ingrid und ich,  uns bei der Entscheidung, uns mit Bienen zu beschäftigen nicht für die zur Zeit sehr propagierte Stadtimkerei entschieden. Seit zwei Jahren besitzen wir einen Bienengarten auf dem Lande. Der Garten ist ein alter verwilderter Bauerngarten und liegt am Hang einer Haveldüne. In ihm stehen viele alte Apfel-, Birnen-, Kirsch- und Pflaumenbäume. Über Jahrzehnte ohne jede Pflege sind sie alle struppig und voller Ungeziefer. Es wäre Arbeit für einen Riesen, wenn alle Vernachlässigungen beseitigt würden. So beschränken wir uns auf einen groben Schnitt, Reinigung der Baumstämme und das Anlegen von Baumringe.
Hier leben unsere Bienen. Nach Besuch eines Imkerlehrganges haben wir das Imkern mit drei Bienenvölkern begonnen. Heute besitzen wir vier.
In diesem Jahr haben wir drei Mal geschleudert (Frühjahrstracht/Raps, Robinie/Kastanie und Linde). Die Ausbeute ist reichlich, sodass wir ordentlich Honig besitzen und unsere Freunde und Bekannten gut versorgen können.
Der Umgang mit unseren Bienen ist voller Überraschungen. Die Tiere sind alles andere als handsam. Mal sind sie friedlich, mal stürzen sie sich Angriffs lustig auf einen, sobald man sich den Bienenstöcken nähert. Trotz Hut, Netz, Handschuhen und Smooker wird man reichlich gestochen, was tagelang zu Schwellungen führt. Immer wieder werden wir gefragt, ob unsere Bienen uns erkennen. Wir glauben dies nicht. Sie sehen zwar nicht gut, sollen aber einen feinen Geruchssinn haben. Also müßten sie uns – wenn sie Anhänglichkeit zeigen könnten - inzwischen kennen.
Bei der Aufnahme der Imkerei hatten wir die Vorstellung, dass die Arbeit mit den Bienen sich auf das Bienenjahr (März/April bis Juli) beschränkt. Diese Erwartung wurde bald enttäuscht. Zwar fällt in diese Zeit das sorgfältige Beobachten, das Bilden von Ablegern, damit die Bienen nicht schwärmen,  und das Schleudern. Doch auch  in den Monaten August,  September bis in den Oktober hinein wollen die Tiere gepflegt werden.  Die schwierigste Zeit für Bienen und Imker ist das Herbst/Winter-Halbjahr. Mit dem Beginn dieser Zeit wird nach Durchsicht festgestellt, ob das Volk noch eine Königin besitzt, oder diese im Laufe des Jahres verloren gegangen ist. Nur mit einer Königin, die für die Brut( Sommer und Winterbrut) verantwortlich ist, überlebt ein Bienenvolk. Besitzt das Volk  keine Königin mehr (man findet sie nicht oder es gibt keine frische Brut), muß man eine fremde (gekaufte) hinzusetzen, oder – falls es spät im Jahr ist - muß man diese Volk mit einem anderen vereinen. Ist diese für das Überleben des Volkes entscheidende Frage geklärt, beginnt man mit dem Füttern, damit das Bienenvolk (in der reduzierten Winterbesatzung mit ca. 5000 Winterbienen, im Vergleich dazu beträgt die  Sommerbesatzung zwischen 40.000 und 50.000 Bienen) genügend Winterfutter hat. Das ist notwendig, weil man ihnen den gesammelten Honig (ganz oder teilweise) genommen hat. Dann  muß  man ihnen helfen, mit Parasiten (die Milbe Varoa) fertig zu werden. Das geschieht, indem man das Bienenvolk über Wochen mit Ameisensäuere begast. Schrecklich! Aber nur so können aus der von Milben befallenen Brut gesunde Bienen schlüpfen. Eine weitere Hilfe gehört im Spätsommer schwachen Völkern. Sie müssen  vor räuberischen Artgenossen oder Wespen geschützt werden. Man verkleinert das Flugloch der Beute (d.i. der Bienenkasten) und stellt Wespenfallen auf. 
Man sagt den Imkern nach, dass sie freundliche und gesellige Menschen sind. Das stimmt! Man kann von erfahrenen Imkern viel lernen, was wir auch fortlaufen tun. Eines jedoch wissen wir schon jetzt: Der Umgang mit Bienen  bringt neben Honig Ruhe, eröffnet immer wieder neue Einblicke in die rätselhafte Bienenwelt  und …..stachelt den persönlichen Ehrgeiz an (seine Bienen über den Winter zu bringen).

• Dr. D.K. Gessner • KRIMI UNTERHALTUNG • Leben und Schreiben in Zeiten des Kalten Krieges • Tel. 030/28 04 77 79 • 10627 Berlin