Der Erbesbär.
Neue Dorf-, Schul- und Stadtgeschichten aus Nordthüringen

Vorbemerkungen

Im zweiten Jahr des letzten großen Krieges geboren, erinnert sich der Erzähler an jene 1945 beginnende „Nachheldenzeit“. Die Erwachsenen waren in Schmerz, Scham und Verzweiflung erstarrt. Wir Kinder gewannen “nach der großen Flucht“ in den Dörfern und Städten Nordthüringen neue, Angst freie Lebensräume. In die 50er Jahre fallen alle jene Weltereignisse, die Politiker und Historiker als Beginn des „Kalten Krieges“ bezeichnen. Nur undeutlich drang das Getöse der sich bildenden neuen Welt in die Dörfer. Ein zeitweiliges Frösteln, am wenigstens von uns Kindern wahrgenommen, kündigten aufziehende Wetter an. Den ersten kalten Böen des aufkommenden Eissturmes wurde geringe Bedeutung beigemessen.
Dies ist der idyllische Ort und die froh erinnerte Zeit der hier erzählten Geschichten meiner Kindheits- und Jugendjahre. Sie können in zweifacher Weise gelesen werden: als zeitgeschichtliche Dorf-, Schul- und Stadtgeschichten oder als persönliche Erinnerung mit bald befreiend, bald beklemmend gefühlter Nähe, wenn sich Erlebtes, Gehörtes und Erahntes im erzählenden Erinnern verbindet. Im ersten Falle suchen unsere Geschichten den neugierigen, im zweiten Falle den Anteil nehmenden Leser. Jener wird Blicke auf die noch unentdeckte  Vorgeschichte  des Gebildes, welche nun als „DDR“ in unsere Geschichtsbücher eingehen wird, tun. Dieser kann den Ruf des Schäfers am Morgen, das Bellen seiner Hunde vernehmen: „Schääääääääf kumm....Schäääääääf...kumm“, das Klirren der fallenden Torriegel, das Trampeln der Hufe, das Blöken der Schafe hören. Düfte führen ihn in das Halbdunkle des Backhauses, in dem mit Stangen das glühende Reisig aus dem Ofen gerissen wird, um Kuchenräder in die Backhöhle zu stoßen.
Worte mit eigener Melodie, Verschlüsselung, die nur der Erinnernde dechiffrieren kann, erreichen unser Ohr: „Krepel“, „Mupätzchen“, „Ganeist“.
Inhaltsverzeichnis

You my silent vale

Urstromtal; Der Knopfmacher; Isolde, Berthel und ich; Das Kropp´sche Gesetz; Hodsh Nasredin; Nachbarskinder; Die Töchter des Frisörs; Spargel stechen; Herbert oder das rechnende Pferd; Der Krepel; Der Erbesbär; Der Milchkontrolleur.

Non scolae...

Oma Eyck erinnert sich; Ein Schuldirektor; Der alte Schwede; Der nachgeholte Tod des General Bem; Die Untermieterin;“Wer geht mit, juchee“; Webfehler; Der fliegende Robert; Eine,zwei, drei-viele Bibliotheken.

Sed vitae...
Werwölfe; Komitsch, mein Schatten; Fritzi; Herr und Frau Bahn; „Was ist und welche Ziele verfolgt die Volkssolidarität?“; Drei Geigenspieler; Familie Pilling; Radio,Radio; Was hat der ehemalige U-Boot-Fahrer R am 1. Juni 1953 gemacht?“; „Ein erfülltes Leben“; Die Schwestern Siepschlag; Auf dem Schacht.


Der Erbesbär
Der Erbesbär
• Dr. D.K. Gessner • KRIMI UNTERHALTUNG • Leben und Schreiben in Zeiten des Kalten Krieges • Tel. 030/28 04 77 79 • 10627 Berlin